Der Tannerhof, ein Ort, der etwas in Bewegung bringt
Eine Woche Auszeit im Tannerhof in Bayerischzell fühlt sich weniger an wie ein klassischer Aufenthalt, sondern viel mehr wie ein feiner, aber nachhaltiger Perspektivwechsel.
Eigentlich war mein Plan klar: Fasten. Ein kompletter Reset für Körper und Geist. Doch kurz vor der Abreise kam dieses leise Zögern. Oder ehrlicher gesagt: ziemlicher Respekt davor gar nicht mehr zu essen. Weil ich die Vorstellung habe, dass ich immer etwas essen muß, um durch den Tag zu kommen. Deshalb habe ich spontan umdisponiert und ging vom klassischen Heilfasten zum Intervallfasten kombiniert mit Low Carb. Rückblickend würde ich sagen: Zum Glück. Ich habe auf mein Bauchgefühl gehört.
Zum einen habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich nicht für Saftfasten oder Suppenfasten gemacht bin. Und zum anderen habe ich durch die Entscheidungsänderung die grandiose Küche des Tannerhofs kennengelernt.

„Verzicht“ bekommt hier kulinarisch eine völlig neue Bedeutung. Die Gerichte sind reduziert, ja aber gleichzeitig unglaublich fein, durchdacht, wohltuend, köstlich und frisch zu bereitet. Kein Gefühl von Mangel, sondern eher von Klarheit und Frische. Und genau diese Kombination hat etwas mit meinem Körper und Geist gemacht: Mit jeder Mahlzeit, die ich dort mittags und abends eingenommen haben, habe ich angefangen, bewusster zu essen. Langsamer, achtsamer und genussvoller.

Beim Intervallfasten ging es für mich vor allem um Struktur statt Verzicht im klassischen Sinn. Diese Struktur tut mir als jemand, der sehr kreativ ist und unstetig, sehr gut. Die längeren Essenspausen – in meinem Fall orientiert am 16:8-Prinzip – schaffen einen klaren Rhythmus für den Körper und taten mir sehr gut. Besonders deshalb, weil ich in stressigen Zeiten die Tendenz habe, sehr häufig zwischen den Mahlzeiten zum Kühlschrank zu gehen oder Süssigkeiten zu essen. Auch andere Gäste kennen diese Tendenz und berichteten mir, wie gut ihn die stabilerer Energie tut, die sie durch diese Form des Intervallfastens haben und das sie weniger Heißhunger empfinden und genauso wie zu einem insgesamt ruhigeren Essverhalten gefunden haben.

Die Low-Carb-Ernährung hat diesen Effekt noch verstärkt. Durch die reduzierte Aufnahme von Kohlenhydraten stabilisiert sich der Blutzuckerspiegel, was zu gleichmäßigeren Energieverläufen über den Tag führen kann. Gleichzeitig verändert sich oft das Geschmacksempfinden: einfache, klare Aromen treten stärker hervor, während das Bedürfnis nach ständigem Naschen und Futtern abnimmt. Diese Struktur hat mir auch deshalb gut getan, weil ich mich nur allzu gerne für das Snacking anklage, da es bekanntermaßen nicht gut ist für den Verdauungsapparat, weil diese durch die ständige Essenszufuhr überhaupt nicht zur Ruhe kommt.

Ein Ort mit Tiefe
Der Tannerhof ist nicht einfach ein Hotel. Es ist ein Ort, der Geschichten in sich trägt. Geschichte im klassischen Sinne über Generationen hinweg gewachsen, die natürlich aus vielen einzelnen Geschichten und manchmal auch schweren Schicksalen bestehen.
Tatsächlich reicht die Geschichte dieses Ortes weit zurück: Ursprünglich als alpiner Hof und später als Kuranstalt entwickelt, wurde das Haus ab Anfang des 20. Jahrhunderts stark von einer ärztlichen Familie geprägt und als Ort für Naturheilkunde, Regeneration und später auch Fastenkuren weitergeführt. Bis heute wird diese Tradition fortgesetzt – inzwischen in vierter Generation mit einem klaren Fokus auf integrative Medizin, Naturheilverfahren und moderne Diagnostik.
Und genau das spürt man: Diese Mischung aus gelebter Geschichte, Wandel und den vielen Schicksalen, die ein Ort über mehr als 100 Jahre hinweg in sich aufnimmt. Durch die vielen Fotografien und wunderschön gestaltete Familienchronik, die in jedem Zimmer ausliegt, kann man als Gast auf sehr berührende Weise teilhaben am Leben und Schicksal der Familie.

Zu schön, um zu schlafen
Die Schlafzimmer des Hauses sind wie alles andere äußerst geschmackvoll und individuell. Ich habe im Waldturm gewohnt – ein Rückzugsort für sich, umgeben von Stille und Natur. Morgens dieses Licht zwischen den Bäumen, abends diese fast greifbare Ruhe. Und rund um die Uhr ein Blick auf den Ort und die Berge. Der Anstieg zum Waldturm war morgens nach einem erfrischenden Bad im Swimmingpool genauso wohltuend wie abends nach dem Essen. Mein Zimmer war so einladend und heimelig, dass es schon fast zu schade war, abends die Augen zu schließen. Jedes Kissen, jedes Foto, jede Vase ist ein wunderschönes Meditationsobjekt und es lohnt sich, die Augen lange darauf ruhen zu lassen. Aber jedes Mal, nachdem ich dann doch irgendwann eingeschlafen bin, fühlte ich mich von dem Bett getragen und konnte in einen wunderbaren tiefen Schlaf versinken.

Medizin, Therapie und Angebote auf hohem Niveau
Was den Tannhof besonders macht, ist die Verbindung von Rückzug und echter medizinischer Begleitung. Ärztliche Betreuung, Ernährungsberatung und Diagnostik sind hier nicht Zusatz, sondern Teil des Konzepts.
Besonders eindrücklich ist das sogenannte Höhentraining (IHHT), bei dem der Körper gezielt wechselnden Sauerstoffbedingungen ausgesetzt wird. Dieses Verfahren wird häufig zur Verbesserung der Zellregeneration und Leistungsfähigkeit eingesetzt und ist Teil moderner Longevity- und Regenerationsprogramme.
Dazu kommt ein breites Spektrum an Therapien: von klassischer Physiotherapie über Osteopathie bis hin zu Atem- und Faszientherapien. Die therapeutische Arbeit ist eng mit den Ärztinnen und Ärzten abgestimmt – nichts wirkt zufällig, vieles wirkt sehr gezielt.
Und dann sind da die Massagen. Viel mehr als nur Wellness. Ob klassische Massage, Lymphdrainage, Kräuterstempel oder tiefgehende Sportmassagen – die Anwendungen wirken nicht dekorativ, sondern therapeutisch. Sie lösen Verspannungen, unterstützen Regeneration und bringen den Körper spürbar in eine andere Balance.
Gerade dieses Zusammenspiel aus medizinischer Begleitung und manueller Therapie macht den Aufenthalt so besonders: Man wird nicht nur „verwöhnt“, sondern tatsächlich Schritt für Schritt wieder in einen stabileren körperlichen Zustand gebracht.

Somatische Intelligenz – ein Gespräch, das nachwirkt
Besonders prägend war mein Gespräch mit Burgi von Mengersheim, die den Tannhof heute führt. Sie ist Allgemeinmedizinerin und Ernährungsmedizinerin und vor allem eine sehr wache, klare Denkerin. Wir haben über somatische Intelligenz gesprochen, die den meisten Menschen mittlerweile verloren gegangen ist. Bei der somatischen Intelligenz handelt sich um die Fähigkeit, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen, zu verstehen und darauf zu vertrauen. Eine solche Intelligenz zu schulen ist in meinen Augen wichtiger denn je, denn heute sind wir permanent umgeben von Empfehlungen, Apps, Magazine, Ernährungstrends. Dabei verlieren wir oft den direkten Zugang zum eigenen Körpergefühl.
Der Tannhof schafft einen Raum, in dem genau dieses Gespür wieder entstehen darf und besser noch, hier kann man lernen, wie man genau dieses eigenen Körperwissen auch wieder mit nach Hause nehmen kann.

Natur als stiller Verbündeter
Und dann ist da noch die Umgebung. Wandern, Ruhe, Weite: alles trägt dazu bei, dass sich Körper und Kopf neu sortieren. Und das zu jeder Jahreszeit. Was für ein Geschenk, sich an einem solchen Kraftort zurückziehen zu können.
Als ich wieder nach einer Woche ausgeschlafen und gereinigt wieder nach München zurückfuhr, fühlte ich eine tiefe Veränderung in mir. Intervallfasten und Low Carb waren dabei ein guter Einstieg in eine neue Form von Körperbewusstsein. Vor allem aber habe ich etwas wiederentdeckt, das im Alltag oft verloren geht: ein feines Gespür für mich selbst. Was für ein Geschenk, wieder mehr mit mir verbunden zu sein. Besonders in solchen Zeiten, in denen wir Gefahr laufen, uns immer mehr von uns wegzubewegen.
Der Tannerhof wirkt nicht laut, sondern nachhaltig, kreativ, traditionell und innovativ zugleich. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke: dass hier nicht nur behandelt, sondern wirklich neu sortiert wird körperlich und mental und manchmal auch tief im Herzen.
Weitere Informationen unter: www.tannerhof.de
Mein Lieblingsplatz im Tannerhof: Die Orangerie

