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Spiritualität & Psychotherapie – 2 Wege Hand in Hand im Umgang mit Ängsten

    Spiritualität & Psychotherapie

    2 Wege Hand in Hand im Umgang mit Ängsten

    Spiritualität & Psychotherapie: 2 Wege Hand in Hand im Umgang mit Ängsten

    Als Menschen sind wir äußerst vielschichtige Wesen! Das erstaunt und überrascht mich immer wieder. Manchmal reicht es, wenn wir für unser Vorankommen auf dem spirituellen Weg eine einzige Praxis machen und diese stringent verfolgen. Irgendwann kann es aber auch sein, dass wir einen anderen Ansatz brauchen, um uns aus inneren biografischen Verstrickungen zu lösen oder um Blockaden zu überwinden.

    In meinen Augen ist es deshalb gut zu wissen, worin uns ein Weg unterstützen kann und wo seine Grenzen hat. Darum möchte ich Euch in diesem Blogtext die wichtigsten Merkmale eines spirituellen Weges aufzeigen und auch die Vorzüge der Psychotherapie darstellen, wenn es darum geht, Ängste zu überwinden.

    Ich nehme hier bewusst den Umgang mit Ängsten, denn diese sind weiterverbreitet, als man annehmen möchte. Auch bei Menschen, die Yoga praktizeren.

    Erst einmal möchte ich einmal grundlegende Unterschiede zweier Ansätze im Umgang mit Angst aufzeigen.

    Unterschiedliche Ansätze von Spiritualität und Psychotherapie

    Spiritualität:

    • Überwindung des Ichs, weil es den Menschen vom Bewusstsein der Verbindung mit allen Wesen trennt und ihn in der Dualität leben lässt.
    • Erkenntnis gewinnen, dass Leben eine Illusion (Maya) ist, die alleine in unserem eigenen Geist entsteht.
    • Nicht immer alles so persönlich nehmen, sondern anerkennen, dass Gewinn/Verlust – Lob/Tadel – Entstehen/Vergehen Teil der menschlichen Existenz sind und jedem widerfahren.
    • In Kontakt kommen mit dem höchsten Selbst (Buddha-Natur, reines Bewusstsein), das unsterblich, unverletzlich, klar und rein ist.

    Gefahr: Eine spirituelle Erfahrung kann einen in höhere Bewusstseinsebenen katapultieren und dazu führen, dass man

    1. den Kontakt zum eigenen Körper / Erde verliert     
    2. sich für auserwählt hält
    3. auf der Metaebene spazieren geht / Gefühle vermeidet

    Psychotherapie:

    • Stärkung des Ichs, um in der Ellenbogen-Gesellschaft durch Selbstwertgefühl, Kompetenz und Impulskontrolle bestehen zu können.
    • Überwindung einer seelischen Krise.
    • Bewusstwerdung der eigenen Gefühle und lernen, diesen einen angemessenen Ausdruck zu verleihen.
    • Aufarbeitung der Vergangenheit, wenn diese die Gegenwart blockiert.

    Gefahr: Eine zu starke Identifikation mit dem Ich kann dazu führen, dass man

    1. zu sehr mit der eigenen Geschichte identifiziert bleibt
    2. Dass man zu sehr um sich und die eigenen Bedürfnisse kreist und das WIR vergisst
    3. Alles nur kognitiv verarbeitet, den Körper aber dabei vergisst

    Wie Spiritualität von Psychotherapie (im Umgang mit Ängsten) profitiert

    Stärkung des eigenen Ichs

    • Das Ich, das von der Psyche erschaffen wurde, um im Alltag zurechtzukommen, als „Geschäftsführer“ anerkennen.
    • Das Ich als eine Instanz würdigen, die für das eigene Überleben wichtig ist.
    • Das Ich verwenden als eine wertvolle Hilfe bei der Installation eines Inneren Beobachters, als „Geschäftsführer“, der uns hilft, Achtsamkeit zu entwickeln und die Dinge mit Abstand zu betrachten, ohne sich in alles verwickeln zu lassen.
    • Selbstvertrauen gewinnen, um dem eigenen Verstand und der eigenen Intuition zu vertrauen.
    • (dazu gehört auch, sich kritisch mit spirituell-esoterischen Strömungen auseinanderzusetzen und nicht jedem Heilsversprechen blind zu glauben).
    • Selbstvertrauen entwickeln und sich von der Abhängigkeit von Lehrern oder Meistern freimachen.
    • Die Bedeutung von Grenzen kennen und schätzen lernen, weil diese von spirituell arbeitenden Lehrern / Therapeuten häufig nicht aufrechterhalten werden, Grenzen überschritten werden und es zu Vermischungen der Lehrer-Schüler-Beziehung kommt.

    Wie Psychotherapie von der Spiritualität (im Umgang mit Ängsten) profitiert

    • Erkennen, dass es etwas in uns gibt, das größer ist als das ICH. Etwas, das unverletzlich und unberührbar ist und nicht von Ängsten beeinträchtigt wird. Im Gegensatz zum Ich (Geschäftsführer) ist dieses Selbst (Besitzer) unsterblich und unverletzlich.
    • Ursache von Leid erkennen, das weit über die biografische Geschichte hinausgeht.

    Aus buddhistischer Sicht:

    • Anhaften (Verlangen): Gier, Haben-wollen, Festhalten, Anklammern, Sucht etc.
      • Ablehnung (Aversion): Angst / Furcht, Entsetzen, Hass, Vermeiden, Wut, Groll
    • Installation des Inneren Beobachters (Geschäftsführer). Er kann uns darin unterstützen, die Mechanismen unseres Geistes zu erkennen und zu durchbrechen.
    • Stärkung des Transpersonalen Bewusstseins, des WIR-Erlebens. Die Verbindung mit anderen Menschen, Tieren, Wesen etc.
    • Imagination positiver Bilder: Menschen, die unter Ängsten leiden sind oft traumatisiert. Für sie ist es eine Überforderung, die traumatisierten Bilder, die sich in ihrer Seele durch ein Ereignis eingeprägt haben, anzuschauen und aufzuarbeiten. Heilsamer ist es, sich gute Bilder vorzustellen, sich mit inneren Wesen, wie dem inneren Schamanen, der inneren Heilerin oder dem Geistführer, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, zu verbinden.
    • Achtsamkeitsumlenkung: Gehmeditationen, Atemmeditationen, Mantra-Rezitation nutzen, um weg von der Zukunft in den gegenwärtigen Moment zu kommen.
    • Verbindung von kognitiven Verarbeitungsprozessen (Therapie) und Körperarbeit (z.B. Yoga oder Atemarbeit). (Top-down- und Bottom-up-Methoden miteinander verbinden).
    • z.B. MBSR (mit Aspekten wie Achtsamkeit, Mitgefühl, Gleichmut)
      • TraumaSensibles Yoga (mit Körper- und Atemübungen, Yogaphilosophie)

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    Foto: Lucas Clara – unsplash.com