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Reinigende Atemübungen aus dem Tibetischen Yoga

    Reinigende Atemübungen aus dem Tibetischen Yoga

    10.04.2026

    Atemübungen aus dem tibetischen Yoga

    Yoga ist viel mehr als nur entspannende oder aufbauende Körperübungen. Es ist ein traditionelles System, das dich auf allen Ebenen in Harmonie bringen kann.

    Eine zentrale Rolle spielt dabei deine Atemarbeit, mit der du die feinstofflichen Ebenen deines Körpers erreichst. Prana – die elektrische und biochemische Lebensenergie – wird vor allem durch den Atem aufgenommen und zirkuliert durch ein weitverzweigtes Netz röhrenförmiger Strukturen, die du Nadis nennst. Schon die alten Yogis wussten um diese feinstofflichen Transportsysteme. Blockaden in diesem Netz können den Energiefluss stören und sich körperlich oder mental als Beschwerden manifestieren.

    Der Atem als Medizin Im tibetischen Yoga zieht sich der ungestörte Energiefluss wie ein roter Faden durch deine Praxis. So wie du deine Zähne putzt, um sie zu schützen, „putzen“ tibetische Yogis ihre Nadis. Ziel ist, Körper und Geist von belastenden Energien und schmerzhaften Emotionen zu reinigen, damit sie nicht zu Krankheiten werden.

    Um dich von schwierigen Gefühlen zu befreien, setze dich damit auseinander: Schau der Angst ins Gesicht statt davor wegzulaufen. Wahrnehme die Angst oder andere belastende Gefühle so konkret wie möglich und wandle sie mithilfe der Atmung in heilsame Energie. Du setzt dich aktiv mit Blockaden auseinander, statt Ablenkung zu suchen. Der Yoga lädt dich ein, direkt zu erfahren, was blockiert oder deinem Glück im Wege steht.

    Lotus

    9-fache Reinigungsatmung:

    Diese Übung hilft, Transformation anzustoßen.

    So geht’s:

    • Setze dich aufrecht und bequem, auf Stuhl oder Meditationskissen.
    • Denke an ein Problem oder eine belastende Emotion.
    • Spüre die körperliche Empfindung (z. B. Druck im Hals, Enge in der Brust).
    • Lasse die Geschichte hinter der Emotion los; konzentriere dich auf das Körpergefühl.
    • Schließe mit dem rechten Zeigefinger das linke Nasenloch und atme sanft durch das rechte Nasenloch ein. Visualisiere heilendes Licht oder Energie, ideal Grün. Halte die Einatmung kurz an.
    • Schließe danach das rechte Nasenloch und atme links aus, visualisiere schwarzen oder grauen Rauch, der den Körper verlässt. Halte die Ausatmung kurz an.
    • Wiederhole dies dreimal, danach einige normale Atemzüge.
    • Danach atme dreimal durch das rechte Nasenloch ein, durch das linke Nasenloch aus; wiederhole. Danach durch beide Nasenlöcher ein- und aus.
    • Verweile einige Minuten in Meditation; öffne dich dem, was auftaucht.
    • Übe dies mehrere Tage bis Wochen mit belastenden Gefühlen; beobachte Veränderungen deiner Wahrnehmung.
    Lotus

    Die fünf Reinigungssilben

    Eine weitere kraftvolle Atemübung mit Klangsilben, verbunden mit tiefer Symbolik. Fokussiere dich auf einen Bereich deines Körpers, atme hinein, visualisiere farbiges Licht, atme aus und töne dabei eine Silbe. Visualisierung ist optional; mit zunehmender Vertrautheit kannst du sie ergänzen.

    Anleitung:

    • Sitze aufrecht, Augen geschlossen, entspannt.
    • Lenke deine Aufmerksamkeit auf einen Bereich und atme hinein; lasse die Ausatmung die zugehörige Silbe tönen.
    • Mache dazu fünf Atemzüge pro Bereich. Achte darauf, ob sich Leichtigkeit und Offenheit einstellt.

    Bereiche und Silben (mit Raumfarben):

    • Stirn/Krone: Silbe A; Offenheit, Weite, Selbstvertrauen. Farbe Weiß; Bild: wolkenloser Himmel.
    • Kehlkopf: Silbe OM; Vertrauen ins Hier und Jetzt. Farbe Rot.
    • Herzraum: Silbe HUNG; Liebe, Mitgefühl, Freude, Gelassenheit. Farbe Blau.
    • Bauchraum: Silbe RAM; Überwindung schwieriger Emotionen; Farbe Rot.
    • Unterleib: Silbe DZA; Mut, Handlungen im Einklang mit Liebe, Mitgefühl, Freude, Gelassenheit; Farbe Grün. Bild: Energiefluss.

    Nach der Übung

    • Bleibe noch eine Zeit in Stille sitzen. Hat sich etwas verändert?
    • Wiederhole die Übungen über längere Zeit; so merkst du die reinigenden Wirkungen.
    • Reflektiere kurz am Ende, was sich verändert hat.

    Zum Weiterlesen: Ralph Skuban: Atmen

    @Foto:  Paddma Sambhav/Unsplash