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Authentisch bleiben in einer Welt voller Illusionen

    Authentisch bleiben in einer Welt voller Illusionen

    13/04/2026

    Authentisch bleiben in einer Welt voller Illusionen

    Wahrhaftig bleiben in einer Welt der Täuschung, das ist eine große Herausforderung. Aber, es ist möglich. Und zwar dann, wenn wir uns selbst treu bleiben.

    „Sag mir, wer Du bist!“. Diese Frage stellten mir unterschiedliche Teilnehmer des sogenannten Enlightenment Intensive, einem spirituellen Retreat, bei dem es darum geht, die eigene, tiefste innere Wahrheit zu erkennen. 12 Tage lang von morgens 6 Uhr bis abends 22 Uhr erforschten wir diese Frage.  Die Antworten waren tief berührend, beruhigend und stärkend.

    Diese Retreatform wurde von Osho entwickelt. Man sitzt sich dabei in Dyaden gegenüber. Eine Person stellt die Frage: „Sag mir, wer du bist!“. Die zweite Person kontempliert über diese Frage und spricht darüber, was ihr bewusst geworden ist. Die fragende Person ist nur da und hört zu. Sie dient als eine Art Spiegel. Alle Teilnehmer dürfen sich während des gesamten Retreats nicht schminken oder parfümieren und die Männer dürfen sich nicht rasieren. Wir zeigen uns pur. So, wie wir sind. 

    Ein solches Retreat gefällt mir sehr gut. Es lädt uns ein, uns wirklich zu zeigen. Vor uns selbst und vor anderen. Diese radikale Ehrlichkeit unterstützt uns darin, uns in der Tiefe bewusst zu werden, wer wir sind. Was für ein Geschenk, wenn wir diese innere Wahrheit erfahren dürfen.

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    Leider findet in den letzten Jahren eine Entwicklung statt, die diesem Ansatz diametral entgegengesetzt ist. Mit den sozialen Medien, Schönheitsoperationen, Fake-Accounts und einer Oberflächlichkeit, die selbst bei Yogaretreats Einzug hält, entfernen sich viele Menschen zunehmend von ihrem wahren Selbst – dem unsterblichen Kern, der frei von Anhaftung, Täuschung und Illusion ist. Auch in den meisten Yogaausbildungen spielt dieser Kern nicht mehr die wesentliche Rolle. Lehrer und Teilnehmer beschränken sich häufig auf die Asanapraxis und versuchen dabei, eine möglichst gute Figur zu machen und sich nicht nur auf der Yogamatte entsprechend oberflächlich zu präsentieren. Die Ausrichtung auf eine innere Erfahrung geht dabei vollkommen verloren.

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    Die Gefahr der Täuschung

    Gesellschaftliche Trends wie Botox, retuschierte Fotos und die ständige Selbstpräsentation auf Social Media unterstützen diesen Trend maßgeblich. Sie sind Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach äußerer Anerkennung. Erschreckend dabei ist, wie unreflektiert der gesundheitliche Preis dafür in Kauf genommen wird. Eine Ärztin bot einer 25-jährigen, sehr attraktiven Teilnehmerin meiner Kurse an, sie zu botoxen. Die junge Frau lehnte zum Glück ab. Von anderen Frauen weiß ich, dass sie dies nicht taten und sich seitdem regelmäßig das Nervengift ins Gesicht spritzen lassen, nur um das Gefühl zu vermitteln, dass sie faltenlos sind. Und dabei verweisen sie gerne auf ihre Yogapraxis und ihre vegane Ernährung. Doch ist diese Abhängigkeit von Likes und Followern für das eigene Wohlbefinden auch Zeichen einer inneren Leere, die nur durch äußere Veränderungen zu füllen versucht wird.  

    Auch in anderen spirituellen Traditionen wird die zunehmende Oberflächlichkeit sichtbar, wenn es nur noch um das äußere Erscheinungsbild, Klicks und gute Verkaufszahlen geht, anstatt um die innere Erfahrung. Diese Entwicklungen führen uns immer weiter weg von unserem wahren Selbst, das unvergänglich und frei ist.

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    Mara und die Kraft der Ablenkung 

    Häufig fällt mir Mara, das buddhistische Sinnbild für Versuchung und Ablenkung ein, wenn ich mich selbst blenden lassen von diesen Trends und auch von solchen Menschen, Erscheinungen oder Umständen, die mir jenseits des Internets im ersten Moment ein Gefühl von Nähe, Anerkennung und Dazugehörigkeit vermittelt. Wird mir dann – mal früher, mal später –  bewusst, wem ich da gerade auf den Leim gegangen bin, denke ich an die alten buddhistischen Geschichten, die von Mara erzählen, der versuchte, den Buddha von seiner Erleuchtung abzuhalten. Mara versuchte, ihn mit den schönsten Frauen und schrecklichsten Szenarien von seiner finalen Erleuchtung abzulenken, die er schließlich unter dem Bodhibaum erlangte. Aber jedes Mal, wenn Mara ihn reinlegen wollte, erkannte der Buddha ihn und sagte: „Mara, ich sehe dich!“ Damit zeigte er, dass er sich nicht länger von Illusionen täuschen lässt. Und als Zeichen seiner Klarheit fügte Buddha noch hinzu: „Die Erde ist mein Zeuge!“.

    Diese zutiefst geerdete Haltung der Klarheit und des bewussten Wahrnehmens ist auch heute noch eine wertvolle Hilfe, um sich auf dem spirituellen Weg nicht zu verlieren. Denn in einer Welt voller virtueller Ablenkungen, die in der KI derzeit ihren Höhepunkt nimmt, ist es entscheidend, die Kräfte zu erkennen, die uns vom wahren Selbst ablenken.

    Die fünf Werkzeuge Maras

    Unter den vielen Kräfte oder Ablenkungen Maras, die ich gerne als seine Werkzeuge bezeichne, werden traditionell im Buddhismus fünf als besonders wichtig identifiziert:

    1. Sinnliches Verlangen

    2. Wut

    3. Trägheit und Lethargie

    4. Ängstlichkeit und Sorge

    5. Zweifel

    Diese Hindernisse beeinflussen uns sehr stark. Wenn du dir diese fünf Punkte einmal in Ruhe anschaust, kannst du dir gerne einmal über einen längeren Zeitraum Gedanken darüber machen, welche dieser Kräfte besonders stark durch dich wirken. Eine solche Reflexionsübung – über einen längeren Zeitraum ausgeführt – ist eine wunderbare Hilfe auf dem eigenen Weg zu mehr innerer Klarheit.

    Der Weg zur Authentizität durch Bewusstheit 

    Meiner eigenen Erfahrung nach kann ich diese Hindernisse nur dann bewusst erkennen und ihnen mit Klarsicht zu begegnen, wenn ich mich von ihnen distanzieren. Reflexionsübungen oder Meditationen hierzu helfen mir persönlich besonders dabei. Denn erst dann, wenn ich innerlich einen Schritt zurücktrete, erkenne ich, meine Sehnsüchte, meine Tendenz der Anhaftung und Ablehnung. Je nachdem wie klug sich Mara verkleidet und mir entsprechend in dieser Verkleidung erscheint, braucht es manchmal etwas länger, bis ich ihn entlarve.

    Aber wenn ich mir dieser inneren Kräfte bewusstwerde, kann ich sie nicht nur beobachten, sondern auch transzendieren. Das bedeutet, die Illusionen zu durchschauen, die mich täuschen, um dahinter mein wahres Selbst zu erkennen – das unsterbliche Licht, das in jedem von uns leuchtet.

    Dieser Prozess ist kein einfacher und es braucht meiner eigenen Erfahrung nach innere wieder eine innere bewusste Entscheidung: Den Wunsch, mehr und mehr in diesem Selbst aufzugehen. Mehr und mehr zu diesem Licht zu werden. Denn nur dann, wenn das Licht stark genug wird, erkenne ich, dass sich Mara sich selbst in einer erotischen Beziehung, einem empathischen KI-Dialog oder einem scheinbar spirituellen Lehrer verbergen kann.

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