Teil 1
Es gibt Reisen, die uns nicht nur an einen anderen Ort führen, sondern tiefer zu uns selbst. Meine Zeit in Kapstadt war genau so eine Erfahrung – weit, intensiv und von einer stillen Kraft durchzogen, die noch lange nachwirkt.
Als Achtsamkeitslehrerin begleite ich sonst Menschen durch innere Prozesse. Hier jedoch durfte ich selbst Teilnehmerin sein. Mich einlassen. Mich tragen lassen. Unser Retreat fand in Hout Bay statt, in der Pakalane Lodge am Fuße des majestätischen Tafelberg. Ein Ort zwischen Bergen und Meer, der wie ein natürlicher Tempel wirkt – offen, weit, schützend.
Der Vogel, der unsere Nächte begleitete
Jeden Abend, wenn wir längst im Bett lagen, begann er zu singen.
Ein klarer, pfeifender Ruf – „cher-leeeoo“ –, der durch die Dunkelheit klang.
Es war der Rotschulterstar, auch Rotschwingenstar genannt, wissenschaftlich Onychognathus morio. Ein Vogel aus der Familie der Stare, verbreitet von Ostafrika bis nach Südafrika, erstmals beschrieben von Mathurin Jacques Brisson und später von Carl Linnaeus klassifiziert.
Sein Gefieder schimmert schwarz mit kastanienbraunen Schwungfedern, die im Flug wie Flammen wirken. Die Weibchen tragen einen aschgrauen Kopf. Doch am eindrücklichsten ist sein Ruf – klar, fast durchdringend, und doch von einer seltsamen Sanftheit.
Dieser Vogel wurde für mich zum nächtlichen Lehrer. Sein Gesang lud mich ein, einfach nur zu lauschen. Ohne Bewertung. Ohne Interpretation. Reine Präsenz.
Jana – Sanftheit als transformierende Kraft
Jana Böhm leitete die Yoga-Praxis mit einer Ruhe und Tiefe, die unmittelbar spürbar war. Ihr Unterricht ist sanft, zugleich tief transformierend und achtsam aufgebaut – ideal auch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder ohne Vorerfahrung.
Bei ihr geht es nicht um äußere Form, sondern um innere Wahrnehmung. Jede Bewegung entsteht aus dem Atem. Jede Haltung darf individuell sein. Als Achtsamkeitslehrerin war ich berührt von ihrer Klarheit und Integrität. Sie schafft Räume, in denen nichts erreicht werden muss – und genau dadurch so viel geschieht.
In unserer kleinen Gruppe von 8 Teilnehmenden entstand schnell Vertrauen. Ob als Paar oder Einzelreisende, wir alle waren gekommen, um dem Winter zu entfliehen und Südafrika zu erleben. Darüber hinaus suchten wir alle noch unausgesprochen dasselbe: Weite im Inneren.
Manfred – Ein Mann voller Geschichten Afrikas
Und dann ist da Manfred Engelmann, der uns Kapstadt und Umgebung zeigte.
Ein außergewöhnlich spannender Mensch mit wachem Geist und großer Herzenswärme. Seit über 22 Jahren lebt er in Kapstadt, und seine Verbundenheit mit Afrika ist tief und authentisch. Besonders bewegt hat mich, dass er Nelson Mandela persönlich kennengelernt hat. Wenn er davon erzählte, war es nie effekthascherisch – vielmehr getragen von Respekt und Dankbarkeit.
Seine Geschichten über Mandela, über den Wandel Südafrikas, über Begegnungen in verschiedenen Regionen des Kontinents öffneten uns einen anderen Zugang zu diesem Land. Mit ihm wurde jeder Ausflug lebendig.
Am Kap der Guten Hoffnung erzählte er von den historischen Seefahrern und der symbolischen Bedeutung dieses Ortes. Im Kirstenbosch National Botanical Garden sprach er über die einzigartige Pflanzenwelt Südafrikas. An der lebendigen Victoria & Alfred Waterfront verband er Geschichte und Gegenwart zu einem lebendigen Bild dieser Stadt.
Wir schlenderten über den Woodstock Neighbourhood Market, standen barfuß am Llandudno Beach und ließen den Atlantikwind durch unsere Haare ziehen. Doch es waren nicht nur die Orte – es waren Manfreds Erzählungen, die sie mit Seele erfüllten.
Zwischen Feuer, Sternen und innerer Weite
Abends, nach Janas Yin- und Nidra-Yoga, saßen wir manchmal am Feuer. Über uns spannte sich der südliche Sternenhimmel. In der Ferne rauschte der Ozean. Und dann – wieder dieses „cher-leeeoo“.
Der Rotschulterstar, anpassungsfähig und doch wild, wurde für mich zum Symbol dieses Retreats. Er lebt zwischen Felsen und Städten, zwischen Ursprünglichkeit und Moderne. So wie wir zwischen Alltag und Sehnsucht leben.
Ich kam nach Kapstadt, um mich führen zu lassen. Ich ging mit einem Herzen, das weiter geworden ist.
Dieses Retreat war mehr als eine Reise. Es war eine Begegnung – mit einer Landschaft, mit inspirierenden Menschen, mit Geschichten über Nelson Mandela und Afrika.
Und mit mir selbst.
Manchmal beginnt Veränderung ganz leise. Mit einer sanften Yogastunde.
Mit einer berührenden Geschichte. Oder mit dem Gesang eines Vogels in der afrikanischen Nacht.
Diese Reise ist buchbar über: https://www.neuewege.com/afrika/vorderasien/suedafrika/yoga-auszeit-kapstadt-zwischen-tafelberg-und-ozean/





